Tut mir leid, ich trinke nicht!

Alkohol.jpgSeitdem ich während des Marathontrainings auf Alkohol verzichtet habe, hab ich mich immer wieder gefragt, warum ich überhaupt ab und an einen Cocktail, ein Radler oder ein Glas Wein trinke.

Geschmacklich ist das alles nicht schlecht, aber es ist nicht so, als ob mir etwas gefehlt hätte als ich bewusst darauf verzichtete.

Nach dem Marathon, als ich mit Freunden zusammen feierte stand mir der Sinn überhaupt nicht danach mit zutrinken. Gefeiert habe ich auch so, aber auf den Alkohol hatte ich keine Lust.
Ein paar Tage später beim Toskana-Revival in meiner Wohnung habe ich dann nochmal ein paar Gläser Wein mit getrunken. Er war gut, aber im Endeffekt hatte ich auch hier nicht das Gefühl, das mir wirklich etwas gefehlt hat.

Richtig besoffen war ich sowieso nur einmal in meinem Leben und das schlimmste daran war, das man es auf Video festgehalten hat. Das habe ich aber erst Monate später erfahren, als ich meine externe Festplatte zerschossen habe und die Bilder von meinem Auslandspraktikum in Nigeria von meinen Freunden nachfordern musste. – Puuh, ich bin betrunken einfach super anhänglich und echt anstrengend.
Also jetzt auch nicht unbedingt das was man haben muss. (Ach so, das Video existiert natürlich nicht mehr!)

Im Ergebnis will ich eigentlich nur sagen, ich brauch geschmacklich keinen Alkohol, den Rauschzustand finde ich auch nicht besonders erstrebenswert, außerdem habe ich immer extrem schlecht geschlafen, wenn ich Alkohol getrunken habe.

Deshalb: Ich werde keinen Alkohol mehr trinken, es macht mir keinen Spaß!

Der Restalkohol kann bei Bedarf gerne bei mir abgeholt werden!
Es sind noch ein paar Flaschen Wein da, Reste von Wodka, Bacard, Blue Curacao, Portwein, Amaretto,…

 

 

 

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Beim ersten Mal wird alles anders

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Dass ich meinen ersten Marathon vor meinem ersten „richtigen“ Halbmarathon laufe, war so irgendwie auch nicht geplant. Gut jetzt ist es so gekommen und immerhin weiß ich dadurch, dass 21,0975km echt kein Hexenwerk mehr sind – ich kann das stressfrei schaffen.

Am 6. Dezember in Tübingen wird dennoch einiges anders sein als bei allen bisherigen Läufen.

  1. Seit dem Marathon (vor 8 Wochen) bin ich kaum gelaufen.
  2. Außer Krankengymnastik mache ich seit 2 Wochen kein anderes Training mehr. (Da die Jungs aber ihren Spaß dabei haben meine Grenzen auszureizen, komme ich auch dabei immer wieder mit Muskelkater nach Hause. – Immerhin musste ich bisher noch keine Burpees machen…)
  3. Ich habe kein Zeitziel.
  4. Dafür habe ich ein Kostüm.
  5. Überhaupt ins Ziel zu kommen ist nicht sooo relevant. Wenn nach Runde eins meine Sehnen nicht mehr mitmachen, gibt es keinen Grund nicht auszusteigen. Sch… drauf! Natürlich will ich ins Ziel kommen, aber nicht mehr unter allen Bedingungen. Nach 2:30:00h ist sowieso Zielschluss und nach so einer langen Laufpause habe ich keine Ahnung habe, wie es sich mit meinen Beinen und meiner Ausdauer auf dieser anspruchsvollen Strecke verhält.
  6. Es sind sooo viele Freunde, Bekannte und auch Kollegen dabei wie noch nie. Vermutlich bin ich keine Sekunde lang „alleine“.
  7. Ich freu mich einfach nur darauf, der Gedanke, dass ich vielleicht nicht schaffe macht mir diesmal überhaupt keine Kopfschmerzen.

Der Lauf wird einmalig und – egal wie und wo er für mich endet – er wird gut werden.

Drachenfliegen leicht gemacht – Neujahrsvorsätze

Drachenfliegen
Wenn man sich so groß wie ich letztes Wochenende vom letzten Jahr verabschiedet, macht man sich natürlich auch Gedanken über das nächste Jahr.

  1. Beruflich bin ich erstmal „gestrandet“ – und damit bin ich auch zufrieden.
    Bei uns gibt es seit diesem Jahr die Möglichkeit auf ein Sabbatical anzusparen. Das werde ich auf jeden Fall nächstes Jahr angehen.
  2. Sportlich hab ich dieses Jahr schon viel erreicht. Vielleicht kommt nächstes Jahr noch ein weiterer Marathon. Außerdem würde ich gerne richtig kraulen lernen (meine Zeiten im Schwimmverein sind dann doch schon eine Weile her) und einen Swim & Run mitmachen. Und der Stuttgart-Lauf gibt mir einfach keine Ruhe, im kommenden Jahr werde ich hier auf jeden Fall beim Halbmarathon antreten und wenn ich antrete komme ich auch ins Ziel.
  3. Ich will fliegen. Nein, nicht auf die Nase. (Das bekomme ich mittlerweile professionell, ohne große Verletzungen und ohne Vorankündigung hin.)
    Ich will Drachen fliegen – Also Hängegleiter fliegen. Das will ich schon lange, trotz Höhenangst. Aber nach dem Bungee-Sprung 2004 sollte ich das auch hinbekommen. In die Achterbahnen im Europapark trau ich mich mittlerweile ja auch und eigentlich ist es ja nur der erste Augenblick wo man sich überwinden muss und das Gefühl zu schweben stell ich mir einfach gigantisch vor. Schon beim Gedanken daran kribbelt alles und ich freu‘ mich riesig darauf.
  4. Ein Tattoo, auch das überlege ich schon lange, eigentlich auch schon seit 2004. Gut, das Motiv hat sich weiterentwickelt (Damals war es der neuseeländische-maori Manaia, das war mein Anhänger, den ich solange getragen habe, bis er mir abgefallen ist). Doch seit ca. 3 Jahren schwebt mir da was anderes vor. Jetzt hab ich lange genug überlegt.
  5. Im Social-Life könnte sich jetzt langsam auch mal wieder was tun, ich bin jetzt definitiv bereit für nen Mann an meiner Seite.
  6. Ich möchte wieder mehr mit Freunden unternehmen, dass kam im letzten Jahr einfach zu kurz.

Flying

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Am Montag hab ich kurzfristig beschlossen, dass so ein paar Tage Urlaub zum ausmisten und sortieren nicht schaden werden. – Vorteile des öffentlichen Dienstes und eines entspannten Chefs.

Nachdem ich den ersten Urlaubstag (Mittwoch) mit Rechnungen, Versicherungen und anderem Papierkram verbracht habe wollte ich den Donnerstag nutzen und endlich einen schönen Herbstlauf machen. Außerdem hab ich noch bis Montag das kleine blaue Wunder (mein Ex-Auto, dass jetzt in Plochingen ein liebevolles Zuhause gefunden hat) in Stuttgart und bin dadurch mobil.

Also auf die Schwäbische Alb, zu einem meiner Lieblingsorte ob mit oder ohne Schnee. Das Randecker Maar. Ich bin relativ planlos losgelaufen, ich wollte einfach ganz alleine den schönen Herbstnachmittag genießen und ganz in Ruhe laufen. Was für ein unglaublich schöner Lauf – fast wie fliegen.

Vielleicht wiederhol‘ ich das am Sonntag! Wenn jemand Lust hat…

Zusammenstellung

 

Don’t crack under pressure? / Ein Jahr lang Marathon

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9 Monate Training, ca. 120 Trainingsläufe, ca. 2000 Laufkilometer, 3 Paar Laufschuhe, ca. 70 Bärensee-Umrundungen und 25 Solitude-Besichtigungen. Nicht zu vergessen: ca. 100 Stunden Functional-Training, 80 Stunden Kraft- und Stabilisationstraining und eine Ernährungsumstellung.

Das alles für einen einzigen Tag, 42,195 Kilometer in 3:58:31h und eine Medaille wie sie rund 5.000 andere auch bekommen haben.

Das Marathontraining hat mich das ganze Jahr begleitet und geprägt, mir meine Stärken gezeigt und mich an meine Grenzen gebracht. Ich konnte in der Prüfungsvorbereitungszeit durch das Training abschalten und den Druck verteilen. Dennoch war es phasenweise auch eine Belastung, ich hab mir die Hürden höher gesetzt als notwendig und dadurch zeitweise noch zusätzlichen Druck aufgebaut.

Aber eigentlich will ich von vorne anfangen um zu dem Punkt zu kommen, warum ich überhaupt auf die Idee gekommen bin einen Marathon zu laufen und dazu muss ich ein bisschen zurückgehen.
2014 wollte ich meinen ersten Halbmarathon laufen. Seit meinem Umzug nach Stuttgart hatte ich wieder die Zeit regelmäßig zu laufen, war fit und wollte die Strecke und mich testen. Ich bewarb mich für ein Rundum-Sorglos-Trainings-Paket für den Stuttgart-Lauf bei der Böblinger Kreiszeitung. Ich bekam im Nachrückverfahren einen Startplatz. Und nachdem meine sportmedizinische Untersuchung meine absolute Tauglichkeit bescheinigte konnte ich starten. Perfekt! Wir wurden gut vorbereitet und kurz vor dem großen Tag sah alles super aus, es bestand sogar die Chance, dass ich meinen ersten Halben direkt unter 2h finishen könnte!
Und dann, 9 Tage vorher, plötzlich und ohne Vorankündigung ging ich mit einer Bauchmuskelzerrung zu meinem Hausarzt und landete zur Blinddarm-OP im Krankenhaus.
Nach 6 Wochen konnte ich endlich wieder laufen und zum ersten Mal spürte ich diese Trotzreaktion: Jetzt erst recht! Ich bereitete mich alleine, aber mit Unterstützung des Lauftreffs Therme Böblingen, auf den 25Km-Schönbuchlauf vor. Ich wollte 2014 unbedingt zum ersten Mal die Halbmarathon-Distanz laufen und das hat geklappt! Wenn ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht vom Lauffieber infiziert war, danach war ich es auf jeden Fall.

2014 war aber nicht nur das Jahr indem ich diese Strecke bewältigen wollte, ich hatte außerdem eine Weiterbildung zur Bauoberinspektorin angefangen und die Staatsprüfung war für das Frühjahr 2015 festgesetzt. Das bedeutete auch, dass ich mich ab Ende 2014 und in der ersten Jahreshälfte 2015 mit Prüfungsvorbereitungen und den Prüfungen beschäftigen musste. Läuferisch sollte das erste Halbjahr also eigentlich „ruhiger“ zugehen. Beim Stuttgart-Lauf wollte ich nach dem verpatzten Start 2014 zwar unbedingt dabei sein, aber auf Zeit zu trainieren war fast nicht möglich, deshalb wollte ich eine neue Herausforderung für den Herbst. Während der Sommerlaufserie 2014 in Böblingen hatte ich die gleichstarke Gabi kennengelernt, wir stachelten uns gegenseitig an und so kam es wie es kommen musste: Wir meldeten uns für den Sparkasse-3-Länder-Marathon an.

Mental begann damit auch schon meine Vorbereitung: Wie würde ich das Lernen für die Staatsprüfungen, die im März und Mai stattfinden sollten, mit dem Training in Einklang bringen? Wie funktioniert Marathon-Training überhaupt und wer würde mir helfen können? Was muss ich beachten? Nebenbei wollte ich die 10km-Winterlaufserie von Böblingen mitlaufen und vielleicht, wie bereits beim Sommercup 2014, wieder eine Platzierung in der Altersklasse erreichen.

Am 6. Januar kam dann schon zum Trainingsstart der erste Dämpfer: Beim Drei-Königslauf in Grafenau fiel ich voll auf die Nase. Ich bin beim Laufen vorher nie gestürzt und dann habe ich die einzige vereiste Stelle erwischt und einen kamerareifen Stunt hingelegt. Zumindest gab es nur ein paar blaue Flecken und ein geprelltes Handgelenk. Die Platzierung bei der Winterlaufserie war aber schon fast hinfällig, denn ich landete in meiner Altersklasse ziemlich weit hinten, weil ich ein paar Minuten brauchte um mich wieder aufzurappeln.
Dank meines Übereifers bekam ich ein paar Wochen später bei einem enthusiastischen langen Trainingslauf um die Bärenseen (16km über Eis und Schnee) die nächste Quittung mit dem Ergebnis: Gereizte Achillessehne und damit vier Wochen Laufpause. Die letzten beiden Läufe der Winterlaufserie waren für mich damit gegessen und ich war leicht genervt und scharrte mit den Laufschuhen. Jetzt erst recht!

Endlich wieder im Training und unterwegs mit dem Sanwald-/Läuferlounge-Lauftreff: Voll auf die Nase, die Zweite.  Im Dunkeln auf dem blauen Weg in Stuttgart hatte ich eine Wurzel übersehen. Diesmal hab ich auch mit dem Gesicht und dem restlichen Oberkörper gebremst.

Dann kam die Prüfungszeit und Sport wurde zur Kompensationsmaßnahme. Ich dehnte die langen Läufe aus, fing damit an Krafttraining für die Beine zu machen und stieg voll ins Functional Training ein um den Druck abzubauen und es irgendwie zu schaffen, noch halbwegs ausgeglichen zu wirken. Ich biss auf allen Ebenen immer mehr und hatte einen Drive, der mich mittlerweile selber überrascht. Die schriftlichen Prüfungen überstand ich physisch und psychisch mit ach und Krach. Ich weiß bis heute noch nicht, wie ich am vorletzten Prüfungstag nach Hause gekommen bin. Ich hatte einen kompletten Blackout.

Nach der schriftlichen Prüfung freute ich mich im April riesig auf die Ultrasports-Challenge. Ein Team-Hindernislauf: Einfach drauf loslaufen und gemeinsam Hindernisse bewältigen, ganz ohne Zeitdruck und mit jeder Menge Spaß. So war der Plan. In dieser Woche war ich mit meinen BOI(Bauoberinspektor)-Leidensgenossen auf Exkursion im Ländle unterwegs und am Mittwoch vor der Challenge waren wir in Tübingen und wollten uns den Campus ansehen. Vor einer Ampel passierte es: Uns knallte von hinten ein Golf ins Auto. Eigentlich nur ein Blechschaden, wir haben es alle gut überstanden und sind nur kurz erschrocken. Nachmittags bekam ich Kopfschmerzen und konnte den Nacken kaum bewegen. Der nächste Morgen war nicht besser und mein Arzt stellte fest: Schleudertrauma. – Damit war ich raus aus der Challenge. Wer mitgezählt hat: Wir kommen schon auf drei Läufe für die ich gemeldet war und an denen ich 2015 nicht teilnehmen konnte.

Aber aufstehen, Krönchen richten, weiterlaufen. Jetzt erst recht! Das nächste Ziel 2015 stand bevor. Ich begann intensiv mit dem Training für den Stuttgart-Lauf: Ich hatte mittlerweile die 1:50:00h für den Halbmarathon anvisiert. Das Ziel war happig und ich hätte schon die idealen Bedingungen gebraucht, aber ich hätte es schaffen können.

Nachdem alle Prüfungen um waren, ging es Anfang Juni noch ins „Trainingslager“ in die Toskana. Es war super und hat gut getan. Tolle Menschen dabei, toskanische Sonne, toskanischer Wein und gutes Essen. – Die perfekte Vorbereitung kurz vor dem Stuttgart-Lauf.

Kaum zurück in Deutschland, startete ich eigentlich erholt ins Büro-Leben. Ich hatte wieder einen normalen Rhythmus, das Training lief gut und ich war hochmotiviert. Bis ich 10 Tage vor dem Stuttgart-Lauf ein leichtes Hals-Kratzen spürte. Zur Sicherheit lies ich einen für das Wochenende geplanten Lauf ausfallen. Gebracht hat es nichts, als ich am Montag zum Arzt bin bekam ich die Diagnose Bronchitis und er verschrieb mir Antibiotika. Er meinte, dass wäre die einzige Möglichkeit wie ich es vielleicht zur Startlinie und ins Ziel schaffen könnte. Allerdings nur, wenn ich bis Freitag beschwerdefrei wäre.
Ich habe es nicht zur Startlinie geschafft. Stuttgart hat mich damit nach dem verpatzten Start im letzten Jahr zum zweiten Mal verraten.

Das Aufstehen danach ist mir schon echt schwer gefallen. Die Krone hab ich direkt mal liegen gelassen. Mir fehlte die Kraft und ich konnte nicht mehr beißen. Es gab vieles, bei dem ich das Gefühl bekam, dass ich keine Kontrolle mehr hatte, die neuen Aufgaben im Job forderten mich gewaltig, meine beste Freundin heiratete in wenigen Wochen und ich fühlte mich auf all das unvorbereitet. Die weiteren geplanten Läufe im Sommer habe ich schließlich alle abgesagt, ich fühlte mich mies und zum ersten Mal wollte ich hinschmeißen. Hätte ich nicht das Gefühl gehabt andere im Stich zu lassen, ich hätte mich am liebsten vergraben.

Stattdessen hab ich gelächelt, gebissen, weiter trainiert und versucht alle um mich herum (inklusive mir selber) glücklich zu machen. Die heiße Phase im Marathontraining begann, ich stellte die Ernährung um und habe mir einen Trainingsplan für die letzten 12 Wochen erstellen lassen. In mir brodelte es, ich war sauer. Ich wollte wenigstens dieses Ziel erreichen. Jetzt erst recht!

Ich hielt mich eisern an den Trainings- und Ernährungsplan. Durch die Ernährungsumstellung, die auf einer Stoffwechselanalyse basierte, sollte es mir möglich werden, schneller und einfacher Energie aus Fett umzusetzen um die langen Läufe und damit auch den Marathon ohne den „Mann mit dem Hammer“ leicht zu überstehen. Aber statt tiefer in die Fettverbrennung zu kommen, passierte genau das Gegenteil. Ich kam immer tiefer in die Zuckerverbrennung, egal was ich tat und versuchte. Es hat nicht geklappt, 4 Wochen vor dem Marathon haben wir es dann gekippt. Erst mal wieder raus aus dem Ernährungsplan und einfach nach Lust und Laune essen. Ganz so leicht ist mir das nicht gefallen.

Der Marathon rückte näher und mein Ziel war nur noch: Durchhalten. Zehn Tage vorher habe ich mit meinem damaligen Mitbewohner eine Aussichts-Tour durch die Stuttgarter Innenstadt gemacht. Es war ein schöner Abend, aber ich hatte die falschen Schuhe an, da ich direkt aus dem Büro kam und noch während der Tour bekam ich tierische Schmerzen, wollte es mir aber nicht anmerken lassen.
Am nächsten Tag konnte ich kaum laufen, ohne dass mir das Wasser in die Augen schoss. Voller Panik, mit der Angst, dass ich mir einen Ermüdungsbruch zugezogen habe, bin ich zum Orthopäden. Hier zuerst die Erleichterung: Kein Bruch, aber eine deftige Entzündung in der Sehne. Aber im Ergebnis dann die Ernüchterung: Der Orthopäde hielt meinen Start für unwahrscheinlich und wollte mir schon ein Attest ausstellen („Dann bekommen sie zumindest das Startgeld wieder!“). Auf die Frage, was passieren könnte wenn ich trotzdem starten würde antwortete er trocken: „Na ja, mit den Schmerzen werden Sie nicht ins Ziel kommen und die Entzündung wird länger dauern.“ – Klatsch, das saß. Dennoch wollt ich nicht sofort aufgeben. Ich gab mir eine 4-Tages-Frist um die Entscheidung zu treffen. Schließlich musste auch Gabi wissen, wo sie dran war. Die musste schließlich in diesem Jahr schon einiges an Hin und Her von mir ertragen.

Die Schmerzen waren allerdings richtig fies und ich wusste überhaupt nicht, wo mir der Kopf stand.
Ich wollte nach neun Monaten nicht aufgeben aber die Ereignisse der letzten Monate kratzten gewaltig an meinem Ego und ich hatte kaum noch Kraft. Dienstags hatte ich meinen letzten Termin im Stoffwechsel-Zentrum. Das Ergebnis der erneuten Analyse war mir zu diesem Zeitpunkt völlig egal. Ich war völlig neben der Spur und mit der Situation überfordert. Die Entscheidung nach Lindau zu fahren und zu starten hatte ich zu diesem Zeitpunkt zwar getroffen, aber die ganze Zeit surrte es im Kopf: Ins Ziel wirst du es nicht schaffen. Gegen den eigenen Kopf zu kämpfen ist mir kaum noch gelungen. Ich konnte nicht mehr zuhören und war nicht aufnahmefähig. Die Motivationstechniken waren zwar gut gemeint, aber verinnerlichen konnte ich das zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Die letzten Tage in der Woche habe ich mir spontan frei genommen und in Ruhe zu Hause verbracht, ich war verunsichert und wollte vor meinen Kollegen, die mich so unterstützt haben, nicht so tun als ob alles kein Problem ist. Mein Kampfgeist wurde erst donnerstags wieder ein bisschen geweckt, als ich das Glück hatte nochmal auf einen meiner Trainingsbegleiter und Physiotherapeuten zurückgreifen zu können, der sich den Fuß nochmal anschaute und die große Verunsicherung, die der Orthopäde mir eingepflanzt hatte, deutlich schmälerte. Es gelang ihm, das ich am Sonntag zumindest schmerzfrei an den Start gehen konnte und so konnte ich mich auch langsam in der Visualisierung des Zieleinlaufes erkennen.

An dieser Stelle: Respekt vor diesen beiden Menschen, die mich in der letzten Woche wieder aufgebaut haben und dank denen ich dann ganz leise wieder sagen konnte: Jetzt erst recht!?

Das worum es hier ursprünglich ging ist mittlerweile nur noch eine Randnotiz. Der Marathon. Beim Start und während dem Lauf erlebte ich auf einmal wieder Glücksgefühle pur! Ich habe (gefühlt) die ganze Zeit nur gegrinst! Selbst als bei Kilometer 30 so ganz langsam die Schmerzen anfingen, konnte ich immer noch grinsen! Ich wusste, im Ziel warten meine Eltern mit meiner Patentante und meiner Oma, vielleicht auch noch eine Freundin und liebe Kollegin! Der Gedanke daran, diesen Moment, diesen Zieleinlauf mit ihnen zu erleben, ließ mich nicht nur laufen sondern fliegen. Das Gabi und ich es nicht schafften gemeinsam zu laufen war zwar schade, aber ich denke es ging ihr wie mir. Gemeinsam Vorfreude, gemeinsames Feiern, aber laufen muss jeder alleine!

Als dann endlich das Stadion in Bregenz in Sichtweite kam und mein MP3-Player unglaublicher Weise „An Tagen wie diesen“ abspielte gab es (mental) keine Halten mehr. Mir liefen die Tränen. Ich erlebte einen absolut epischen Moment, als ich ins Stadion gelaufen bin, meine Eltern und die Zielbögen gesehen habe. Das bleibt unvergessen. Das ich es tatsächlich schaffte mein Ziel zur erreichen (den Marathon unter 4:00:00h zu laufen)  war da nur das wieder aufgesetzte Krönchen.

Jetzt rund 6 Wochen später sieht alles ein bisschen anders aus. Der Alltag hat mich schnell wieder eingeholt und natürlich hatte mein Orthopäde Recht und die Sehnen in beiden Füßen waren deftig entzündet und bis vor wenigen Tagen hatte ich noch ein Laufverbot, da zudem seit dem Marathon das Knie streikt. Dennoch sage ich heute, dass es das wert war.

Mein Alltag war im letzten Jahr stark von Druck bestimmt, den ich jetzt gerne heraus nehmen möchte. Den Druck habe ich mir selber aufgebaut durch die Staatsprüfung, durch neue Aufgaben im Job, durch das Marathontraining und dadurch, dass ich immer das Gefühl hatte, Familie und Freunde zu vernachlässigen und vor allen Dingen durch die Ansprüche, die ich an mich selber stelle. Ich bin jetzt an einem Punkt angekommen, an dem ich die Reißleine ziehe. Ich will mich neu fokussieren.

Das ist der Grund warum ich mich von Facebook verabschiede, mir vom Training im Studio eine Auszeit nehme, vorerst nur noch Laufe um zu genießen und nicht mehr um Ziele zu erreichen. Erst mal geht es darum wieder ein bisschen Ruhe in mein Leben zu bringen, ich lass mir wieder Zeit zum Grübeln und Nachdenken und vor allen Dingen zum Genießen.

Ich will das letzte Jahr nicht missen, es hat mir gezeigt, wie stark ich sein kann, wenn es drauf ankommt. Das ich viel auf einmal meistern kann. Ich schaffe es unter Druck nicht zusammen zu brechen. Ich bin definitiv tougher als ich jemals gedacht hätte.

Finish_1Danke für die Unterstützung im letzten Jahr!
Ich freu mich über jeden, der in Zukunft mit mir Blödsinn macht, Pläne schmiedet und mir den Kopf wäscht. Ich will mit euch allen das kommende Jahr neu gestalten. Bei mir beginnt 2016 eben schon im November.

Mara