Großstadtsingle – Vierte Etappe, Egoist

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Puh, das hat jetzt doch zwei Wochen gedauert, bis ich wieder genug Masse für eine neues (eher kurzes) Kapitel zusammen bekommen habe.

Vierte Etappe – Der Egoist

>>Egoist, der<< Mensch, der nur an sich selber denkt. Sieht alle Lebenssituationen ich-bezogen. Ist auf seinen Vorteil bedacht. Tut nichts ohne zu Wissen, was es ihm bringt. Keine geschlechtsspezifische Eigenschaft. Singles sind angeblich besonders häufig betroffen.

Beim Gespräch mit einem anderen (ebenfalls weiblichen) Großstadtsingle kam es zu folgender Frage: „Glaubst du, wir sind egoistisch, weil wir keine Kinder kriegen und unsere Zeit deshalb nur uns zur Verfügung steht und wir nicht zur Erhaltung unserer Art beitragen?“ Die erste rationale Antwort die sich einem da aufdrängt und deshalb auch sofort als Wahrheit ausgesprochen wird: „Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich und die Entscheidung ob man das mit oder ohne Kind lebt ist einem selbst überlassen!“
Zweite logische Antwort, weil man keinen Kinder und keine Partner hat ist man ja viel flexibler und kann dementsprechend auch viel flexibler für die vergebenen/ belegten Menschen in der Umgebung reagieren. Zum Beispiel spontan Babysitten wenn die Oma Schnupfen hat. Mit der Freundin zum Arzt fahren, weil der Partner länger arbeiten muss. Den Eltern den Computer einrichten, weil der Bruder mit seiner Partnerin andere Pläne hat. Spontan mit der Freundin in den Urlaub fahren, weil der ursprüngliche Reisepartner fremdging und deshalb nicht mehr mit darf.
Und Und Und.
Egoistisch?
Fragt man mal einen Großstadtsingle, wie viel Zeit er tatsächlich am Ende damit verbringt wirklich nur egoistische Ziele zu verfolgen (Lohnsteuer machen, Rechnungen bezahlen und lebensnotwendige Dinge einkaufen sind nicht wirklich egoistisch) wird man vermutlich erstaunt sein, weil es so viel  Zeit gar nicht sein wird.

Aber die Zeit die er egoistisch nutzt, nutzt er intensiv. Denn er hat die Möglichkeit sich fortzubilden ohne das es lästige Absprachen geben muss. Er kann Sport machen wann er will und tut seiner Gesundheit damit etwas Gutes. Er kann kochen was er will und muss keine Rücksicht nehmen. Er kann Feiern gehen, Konzerte besuchen, Bücher lesen, in der Wanne liegen. – Alles das, ohne sich mit jemandem absprechen zu müssen. (Außer man wohnt in einer WG – wenn man das Bad zu lange belegt, sollt man vielleicht doch vorher Bescheid geben)

Okay, Okay, Okay. Als Großstadtsingle ist man wohl doch ein Egoist. Hej, aber die Wahl hatte jeder Nichtgroßstadtsingle auch mal! (Gehen wir davon aus, dass er/sie in einem demokratischen Land aufgewachsen ist und nicht von den Eltern zwangsverheiratet wurde.)

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Großstadtsingle – Dritte Etappe, Familie

skyline-01Der „Großstadtsingle“ geht in die dritte Runde. Die Themen kommen immer irgendwie aus meinem eigenen Alltag, aber ich greife auch gerne Themen aus der Umgebung oder aus anderen Beiträgen (Blogs, Zeitungen, Reportagen) auf. Und nicht alles was ich schreibe stammt tatsächlich aus meinem Leben. Ich beobachte gerne andere und kann mich in aller Regel gut in andere Situationen versetzen und dementsprechend versuche ich dann neutral zu kommentieren. Ich bin sehr bemüht, den Sarkasmus und die Ironie nicht gar zu sehr triefen zu lassen – man hat mir mal gesagt, das wirkt verzweifelt.

Dritte Etappe – die Familie

>>Familie, die<< Wird unterschieden in direkte Blutsverwandte (Eltern und Geschwister) und nahe Verwandet (Großeltern, Onkel, Tannten, Cousins, Cousinen,…)
Aufgrund des Blutstatus ist man verpflichtet die Familie zu lieben.

Meist ist beim Großstadtsingle nicht die nahe Familie (Eltern, Geschwister) der anstrengende Part (die haben sich mit den Macken des Großstadtsingles längst abgefunden) sondern die etwas Entfernte (sowohl lokal, als auch vom Verwandtschaftsgrad betrachtet). Dieser Teil der Familie bekommt immer nur ausschnittsweise, sehr lückenhaft und meist nur über Dritte etwas über das Leben des Großstadtsingles mit. Anhand dieser Bruchstücke passiert es leider allzu oft, dass ein falsches Bild entsteht. Vor allen Dingen wenn der eigene Lebensentwurf komplett anders ist, als der des Großstadtsingles.

Meist entsteht der Eindruck, der Großstadtsingle halte sich außerhalb der Arbeit immer ganz alleine in seiner Wohnung auf und sei unglücklich, weil er keine Familie hat. Im schlimmsten Fall aber er betrinkt er sich am Abend regelmäßig oder nimmt Drogen mit anderen Großstadtsingles, die auf jeden Fall auch unglücklich sein müssen (den das ist ja die Grundeigenschaft des Großstadtsingles).
Im Großen und Ganzen hat die Familie den Eindruck, man müsste Mitleid mit dem Großstadtsingle haben. Alleine in einer Großstadt zu leben, völlig anonym ist doch eher traurig, so die vorherrschende Meinung dieser Spezies. Wenn also bei Familienfeiern der Großstadtsingle wieder alleine auftaucht (spätestens ab dem 16. Lebensjahr sollte das nicht mehr vorkommen) sind ihm mitleidige, symphatiebekundende Blicke sicher. Unauffällig werden Familienmitglieder vorgeschickt, die es mit Charme und Freundlichkeit auf nette Art schaffen, den Großstadtsingle über seinen Zustand auszufragen um auch sicher zu gehen, ob es ihm/ihr den gut geht, so alleine in der Großstadt. Alles immer nur in der Absicht, sicher zu gehen, dass es der Großstadtsingle in der kalten Stadt auch sicher alleine schafft und er nicht jämmerlich versinkt in der kahlen, dunklen, kleinen vermutlich kalten Großstadtwohnung.

Liebe Familienmitglieder, meist ist der Großstadtsingle erwachsen und hat gelernt sein Leben in dieser unmenschlichen Einöde einer modernen Großstadt kämpferisch anzugehen und tapfer zu sein. Sollte er dennoch in diesem grausamen Moloch zu versinken drohen werden ihm die anderen tapferen Großstadtsingles beistehen. Denn: Gemeinsam sind sie stark und sie werden es schaffen. Sie werden immer zahlreicher und sie sind zäh und werden am Ende überleben und sich an ihre Umgebung anpassen (siehe auch Definition in der ersten Etappe!)
– Ende dritte Etappe –

 

Großstadtsingle – Zweite Etappe, die Kollegen

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Mir gefällt das Schreiben an „Großstadtsingle“, deshalb gibt es jetzt auch die zweite Etappe. Ich habe im übrigen nicht vor daraus so etwas wie „Sex and the City“ zu machen. Ich glaube nicht, dass der moderne Großstadtsingle immer nur der Liebe hinterher rennt. 

Zweite Etappe – die Kollegen

>>Kollegen, die<< gehören zum Arbeitsalltag eines Nichtselbständigen zwangsläufig dazu. Es gibt sie in unterschiedlichen Varianten. Posititve Eigenschaften: Bringt am Geburtstag Kuchen mit. Kennt sich im besten Falle gut aus und kann einem Helfen.
Negative Eigenschaften: Hält seinen/ihren Rat grundsätzlich und jederzeit und zu jedem Thema für angebracht.

Der Großstadtsingle arbeitet Vollzeit, die überwiegend Mehrheit der Großstadtsingles im Büro (da ja „Großstadt“single). Das bedeutet auch, er verbringt viel Zeit mit Kollegen.

Zwangsläufig kommt es dazu, dass man mehr über die Kollegen erfährt und diese auch umgekehrt mehr über einen erfahren. Das führt dann manchmal aber auch dazu, dass die lieben Kollegen den Zwang verspüren, das Leben des Großstadtsingles kommentieren zu müssen.
Besonders der weibliche Großstadtsingle muss es sich immer wieder gefallen lassen, das ihr unterstellt wird mit dem Singlesdasein nicht glücklich sein zu können. In dem Alter geht es nicht anders: Man hat nur noch die Familienplanung im Kopf zu haben. Denn in der Karriere passiert zwischen 30-40 ja nichts mehr (was ehrlich gesagt nur daran liegt, das viele Chefs – männlich und weiblich – leider auch denken, man wäre potenzieller Babyproducer und damit nicht als vollständig Arbeitskraft einplanbar). Als muss man jetzt einfach endlich Babypause machen.
Liebe Kollegen (vermutlich eher ältere Kollegen, verheiratet – oder geschieden, mit Kindern): Ihr wurdet nicht gefragt. Euer Kommentar zur Lebenssituation ist in diesem Fall vermutlich nicht erwünscht noch schlimmer, er verletzt unter Umständen sogar (vielleicht kann der Großstadtsingle keine Kinder kriegen und verlagert sich deshalb auf andere Schwerpunkte in seinem Leben. Vielleicht will er oder sie auch einfach keine Kinder, weil er/sie keinen Draht zu Kindern hat). Euer Lebensentwurf wird von den Großstadtsingles auch nicht in Frage gestellt, also liebe Kollegen, wir mögen euch, aber bitte lasst das in Zukunft. Oder überlegt euch zumindest vorher ganz genau, wie ihr kommentiert. Wenn der Großstadtsingle euren Rat (beruflich oder privat) benötigt, wird er euch schon fragen und wird sich dann aber dennoch selber Gedanken machen, ob er oder sie diesen Rat auch umsetzt.

Großstadtsingle – Erste Etappe, Samstagabend

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Ich habe beschlossen, den Blog auszubauen, ich schreibe sehr gerne und habe das in den letzten Jahren völlig vergessen. Es wird in Zukunft die Rubrik „Großstadtsingle“ geben, hier werde ich Kurzgeschichten und sonstige lyrische Ergüsse von mir geben. Das sportlich „ich“ wird es weiterhin geben, nur spielt dieser Teil (wenn auch immer noch zeitlich gesehen sehr aktiv) momentan eine untergeordnete Rolle in meinem Leben.

Deshalb gibt es heute den Startschuss mit „Großstadtsingle“

Erste Etappe – Samstagabend

>>Großstadtsingle, der<<männliches oder weibliches Individuum, das alleine oder in einer WG in einem hippen Viertel einer deutschen Großstadt wohnt. Alter für gewöhnlich zwischen 25 – 35 Jahre. Finanziell abgesichert, oft im Besitz von Wohneigentum oder zumindest auf der Suche danach. Folgende Soft Skills sind für den Großstadtsingle typisch: selbstbewusst, humorvoll und intelligent. Körperliche Eigenschaften: Zäh und sportlich.

So oder so ähnlich würde die Definition in einem großen deutschen Wörterbuch lauten.

Und dann gibt es da noch so viel, das in dieser Definition fehlt. Und deshalb mach‘ ich mich jetzt mal daran, genau das zu beschreiben. – In Etappen, denn ganz ehrlich, die wahre Definition verändert sich ständig.

  1. Etappe, Samstagabend:
    Was erwartet man vom Großstadtsingle am Samstagabend?
    Die Allgemeinheit (Die Pärchen-Fraktion) erwartet, das er/sie ausgeht, Party macht um ENDLICH das Singledasein hinter sich zu lassen.
    Viele Großstadtsingles entsprechen in diesem Fall nicht der Definition.
    Der Samstagabend sieht meist ganz anders aus: Er/Sie liebt es, am Wochenende einfach nur zu „chillen“ – nichts zu tun. Oder wenn er/sie dann mal ausgeht dann will er/sie nur „gemütlich“ was trinken gehen. Ab und an hat er/sie tatsächlich Lust darauf Party zu machen, aber oft benötigt es dazu die Überredungskunst seiner wohlmeinenden Umgebung. Worauf die meisten Großstadtsingles allerdings nicht in erster Linie aus sind, ist es ihr Singledasein hinter sich zu lassen. Die wenigsten Großstadtsingle sind mit ihrem Dasein als solches so unglücklich, das sie diesen Zustand auf Teufel kommt raus beenden müssen. Also liebe Mitleidsfraktion da draußen: Bevor ihr zu viele Gedanken damit verschwendet, euch zu überlegen, wie ihr den Großstadtsingle am Samstagabend bespaßen könnt um ihn aus seinem dunklen Loch zu holen, fragt ihn doch ganz direkt, ober er überhaupt Lust darauf hat! – Denn vielleicht will er/sie auch einfach nur zu Hause auf der Couch ein Buch lesen oder aber – Überraschung: Er/Sie ist schon mit anderen Großstadtsingles verabredet und muss überhaupt nicht bespaßt werden.
    – Ende erste Etappe –

Neue Rubrik

So, ich hab gerade keine Lust über mich zu schreiben. Deshalb ist der Blog gerade auch ziemlich unbelebt. Aber heute hab ich was gesehen, das mich dazu gebracht hat mal wieder grundsätzlich was zu schreiben:

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Am Nachbarhaus hängt ein roter Ballon am Dach – wie es dazu kam 3 Stories

  1. Kinderspaß
  2. Gewinnspiel
  3. Hochzeit

1. Kinderspaß
Eröffnungstag, der Umbau ist fertig das Kaufhaus öffnet seine Pforten. Und natürlich wie sollte es anders sein, es lockt mit Wiedereröffnungsrabatten – zumindest für die Eltern. Doch der Chef der Marketingabteilung weiß: Sind die Kinder nicht glücklich verschwinden die Eltern schnell wieder. Es darf also neben dem kostenlosen Kaffee, der Männer-Media-Ecke und dem Gewinnspiel (Ein Wochenende für 2 Personen in Paris) auch die Kinderbespaßung nicht zu kurz kommen. Also werden die Klassiker aufgefahren: Kinderschminken, Bällebad und Hüpfburg und natürlich der Luftballonstand mit den bedruckten Luftballons am Ausgang. Denn der clevere Media-Mann weiß: Wenn die Kinder den Laden verlassen will jedes unbedingt noch einen Heliumballon und wenn dann die Eltern noch mit den Kindern durch die Stadt laufen werden sie zu kostenlosen Werbeträgern.
Wen stört es da schon, das nach 30 Metern die Hälfte der Ballons auf Nimmerwiedersehen im Großstadthimmel verschwinden und die Eltern die Mäuler der plärrenden Kinder durch ein Eis am nächsten Eisstand stopfen. Denn eigentlich sind alle zufrieden gestellt:
Der Media-Man hat einen erfolgreichen Tag mit viel Umsatz und kostenloser Werbung. Die Eltern haben jede Menge „Schnäppchen“ gemacht und Kinder, die nachher todmüde und glücklich ins Bett fallen. Das Kind wird in Spiderman verwandelt, hat(te) einen Ballon und bekommt ein Eis. Selbst der Eismann ist glücklich, denn er hat einen der umsatzstärksten Tage des Jahres, weil er sich clever positioniert hat.

2. Das Gewinnspiel
Stadtfest – alle Jahre wieder. Jede Menge Essen, Live-Bands, aber auch der Musikverein spielt auf und der Sportverein tritt mit Stepptanz, Ballett, Capoeira (man hat ja durchaus auch was Neues im Programm) und Kinderturnen auf. Die harte Gang aus dem Jugendhaus „battled“ sich mit der anderen harten Gang aus dem Jugendhaus vom Nachbarort beim Breakdance vor der Jury (die überwiegend aus Lehrern der gemeinsamen Gesamtschule besteht und natürlich dem Bürgermeister) – Kleinstadtidylle.
Die Frau schlägt begeistert die Hände vor der Brust zusammen bei der Vorführung des neuen Super-Duper-Gemüsehäckslers, der am Stand vom lokalen Supermarkt zum „Super-Stadtfest-Schnäppchenpreis“ angeboten wird. Währenddessen sabbert der Mann beim Gedanken an Pulled Pork. Denn ja, auch vor der Kleinstadt mach die Entwicklung des Stadfestessens keinen Halt: Statt Roter Wurst, Bratwurst, Currywurst, Pommes und Steak gibt es jetzt vegane Maultaschen, mexikanische fairtrade-bio Tacos und eben Pulled Pork.
Befriedigt (dem Kleinstädter genügt dazu das PulledPork und die Kleinstädterin probiert sich an veganen Maultaschen) schlendert das Paar über das Stadtfest, vorbei am Stand  der Kita (Die Mütter und Väter verkaufen glutenfreie, laktosefreie, geschmacklose Cupcakes in Regenbogenfarben – der Erlös ist für das neue unfallfreie Bodenklettergerüst für unter 3-Jährige). Zielgerichtet wird der Hof vom lokalen Autohändler angesteuert – hier steppt dieses Jahr der Bär: Das Stadtfest ist die perfekte Möglichkeit das 25-jährige Firmenjubiläum zu feiern.
Und der Autohändler lässt sich den Spaß was kosten. Im Ausstellungsbereich ist eine Bühne aufgebaut. Gerade tritt der berühmteste Sohn der Stadt hier auf: Marko Schmitt – bei DSDS war er immerhin unter den besten Zehn! Nachher gibt es noch eine Modenschau mit den hübschesten (Haus-)Frauen / Männern aus der Stadt und den umliegenden Gemeinden. Präsentiert wird Bademode.
Aber das wohl wichtigste für unser Pärchen: Der Autohändler verlost ein MiniCooper-Cabrio! Das wollte sie schon immer haben und dann ist es auch noch rot. Alles was die beiden dafür tun müssen ist ein Kärtchen ausfüllen, an einen der roten Luftballons hängen und um 16:00h den Luftballon beim gemeinsam Start in die Luft steigen lassen und dann hoffen, dass er am weitesten fliegt! – Viel Glück!

3. Hochzeit
Der schönste Tag des Lebens. Heute ist es für Inga und Christian so weit. Ein Jahr lang haben die beiden geplant. Na ja, eigentlich hat überwiegend Inga geplant – Christian hat das Essen probiert, die Location abgenickt und die Band ausgesucht. Aber was solls‘: Das Wetter ist super, die Braut strahlt, die Zeremonie lief reibungslos und das Programm läuft.
Gerade war noch das Familien-Freunde-Fotoshooting und nachdem geklärt war, dass die Oma nur die Arme in Luft werfen soll und nicht aus dem Rollstuhl aufspringen muss für das Actionbild, ist dieser Programmpunkt beendet. Ab sofort ist bis auf das Essen der offizielle geplante Teil des Paares beendet und Familie und Freunde übernehmen die Ausschmückung des weiteren Tagesverlaufes. Das Brautpaar ist ab sofort nur noch Gast auf der Hochzeit und hat gefälligst mitzuspielen. Auf Grund der Glückshormone, die so eine Hochzeit meistens mit sich bringt, macht das Paar auch ohne Murren selbst das so beliebte Spiel „Wer-hat-wann-die-Hosen-an“ mit. Beim Abendessen kommen die beiden kaum dazu ihr sorgfältig getestetes Menü zu genießen, den ständig blitzen Kameras auf und durch das Dauergrinsen sind die Mundwinkel schon so festgefroren, das besagter kaum aufgeht um die Schrimps in Honig-Senf-Sauce runterzuschlucken um für die nächste Großaufnahme von Onkel Gerhard gewappnet zu sein.
Kurz vor der Dämmerung, nachdem die Gäste wohlgenährt die Hosenknöpfe aufmachen und die Krawatten lockern, übernehmen die beiden Trauzeugen wieder das Wort und verlangen vom Publikum kreative Einfälle – jeder Gast erhält eine Karte, auf der die Adresse des Brautpaares aufgedruckt ist und muss sich etwas einfallen lassen, was er dem Paar Gutes tun kann. Inga läuft durch die Reihe der Gäste und gibt den unkreativeren Verwandten Tipps, worüber sie (Inga) sich freuen würde. Währenddessen lässt sich Christian mit seinen Fußball-Club-Kumpels langsam aber sicher an der frisch eröffneten Bar volllaufen – man heiratet schließlich nur einmal.
Nach einer halbe Stunde ertönt die Trillerpfeife der gut organisierten Trauzeugin und ruft Gäste und Brautpaar dazu auf, sich mitsamt den Karten auf der Terrasse draußen aufzustellen. Hier steht schon der Trauzeuge und verteilt Heliumballons für die Karten. Und jetzt kommt der große Augenblick des angeschickerten Bräutigams: Die Liebeserklärung an die Braut. Mit feuchten Augen steht sie ergriffen da während er ihre Hand hält und alle Gäste um die beiden stehen (mit ihren Ballons in der Hand). Ein weiterer Trillerpfiff der Trauzeugin und die Gäste lassen ihre Ballons in den Nachthimmel steigen, während der Bräutigam leicht lallend dem Pyrotechniker zuruft: „Lasses innie Luft fliegen“ Und die Überraschung des Bräutigams lässt die Braut ergriffen weinen als das Feuerwerk rosa Herzen in den Himmel brennt. (Der erste Ballon wird auch direkt von einem Flugkörper getroffen und damit ist auch schon mal geklärt, das Marie Inga und Christian am 1. Advent Frühstück vorbei bringen muss.)