Schon wieder

oder: Einen Dank an meine Physiotherapeuten

erste-hilfe

Als Sportler, Pechvogel oder auch einfach nur ungeschickter Mensch bin ich abhängig von ihnen.

Ich gehöre leider nicht zu den Menschen, die supertalentiert sind und deshalb alles was sie ausprobieren auch sofort beherrschen. Das führt dann leider dazu, dass jede Bewegung, die nicht

a. schon jahrelang geübt wurde
b. aufs intensivste vorbereitet und bei der jeder Schritt im passenden Hirnareal gespeichert wurde

damit endet, das mir zumindest mal was weh tut. Teilweise zerr ich mir die unmöglichsten Körperteile oder was bisher nur zweimal geschah ich breche mir sogar etwas. (Am ersten Bruch bin ich absolut unschuldig, ich war ein halbes Jahr alt und bin aus dem Ehebett meiner Eltern gefallen und habe mir dabei den Oberschenkel gebrochen.) Bis auf die Brüche und ein Bänderriss sind die Verletzungen immer harmlos und sorgen bei anderen Menschen nur für Kopfschütteln oder ein wissendes Nicken.
Und immer, wirklich immer sind diese Verletzungen deshalb passiert, weil entweder kein Automatismus da war oder ich die Bewegung vorher nicht ausreichend vorbereitet habe. Naja, Ausnahmen bestätigen die Regel: Beim Bänderriss hat sich beim Schlittschuhlaufen so ein Idiot auf meinen Fuß gesetzt.

Egal wie, es endet seit meiner Begegnung mit einer Hüpfburg 2012 (Stichworte: Geburtstagsparty, endlich wieder Kind sein, verdammt ich bin zu alt) immer damit, das ich am Ende auf professionelle Hilfe angewiesen bin. Lange Zeit war hier Paul mein absoluter Favorit. Er hatte genug Humor und gleichzeitig nicht besonders viel Mitleid mit mir um meinen Rücken in die richtige Position zu bringen und  die Achillessehne mit Folterinstrumenten auszustreichen. Selbst als ich vor Kopfschmerzen (Lernstress durch die Vorbereitung auf die Staatsprüfung) weder Geradeausschauen noch Sprechen konnte, war Paul da. Also was ist passiert mit Paul? – Leider für mich – aber gut für ihn – fanden andere Paul auch gut! Paul wurde abgeworben und arbeitet jetzt im Olympiastützpunkt.

Die Zeit verging, die Welt drehte sich weiter und schon bald musste ich mich auf die Suche nach einem neuen Physiotherapeuten machen. Ich musste echt kurz überlegen, was denn diesmal schuld war. Es war das Functional Training… eine neue Übung, ich meine, es war der „Kettle-Bell-Swing“ – ich hab falsch geschwungen beziehungsweise nicht genug Anspannung im Rumpf gehabt und zack, lief ich nur noch wie so ne alte Frau durch die Gegend. Die nett gemeinte Hilfe des Trainers („Häng‘ dich an die Klimmzugstange“) hat nicht wirklich zur Verbesserung beigetragen. Dafür dann der nächste Tipp: Wenns‘ morgen nicht besser ist kannst du ja zu meinem Physiotherapeuten gehen, die können mit so jemandem wie dir umgehen. (Ja, der Trainer kennt mich mittlerweile auch. Erst kürzlich hat er zu mir gesagt – wohlgemerkt und unverschämter Weise vor meinen Kollegen – Mara, es gibt Leute, die tun sich nie was und dann gibt es dich und mich , wir laufen freudestrahlend auf jede Verletzung zu.)

Na ja, am nächsten Tag wurde es nicht besser und mein Hausarzt hatte ein Einsehen und die selbe Physio-Empfehlung wie der Trainer. Ich rief also in der empfohlenen Physiopraxis an und seitdem (seit ca. 15 Monaten) bin ich da jetzt fast schon Dauergast. Denn zu den diversen Blockaden im Rücken kamen dann die entzündeten Sehnen vom Marathontraining und schließlich das gebrochene Handgelenk. Mit viel Geduld, Humor und Ignoranz (mein Gejammer wird irgendwie nicht weiter ernst genommen) werde ich seitdem wann immer es notwendig wird von John, Marco, Sandro, Pepsi, Martha und Luisa (In der Reihenfolge ihres ersten Erscheinens) physiotherapiert, trainiert und gestärkt. Mittlerweile kennen sie mich so gut, dass nur noch ein müdes Grinsen kommt, wenn ich zugeben muss, dass ich mir beim Aufstehen das Knie verdreht habe oder einfach nicht erklären kann, warum sich der Oberschenkel anfühlt wie gezerrt.

Meine aktuelle Physiotherapie-Phase auf Grund des gebrochenen Handgelenks geht jetzt in den Endspurt und so gerne ich sie mittlerweile auch alle habe: Ich freue mich dann auch darauf mal wieder ohne auszukommen. Viel mitnehmen konnte ich auf jeden Fall und in etlichen Bereichen sind meine Bewegungen zumindest nach meinem Empfinden deutlich flüssiger geworden. Auch der Tipp mal eine Laufstilanalyse zu machen hat mir viel gebracht und ich freu‘ mich drauf auf den nächsten Marathon zu trainieren (Vielleicht wird es der Neckarufer-Marathon).
Gut, koordinative Bewegungen überfordern mich nach wie vor, aber hej, ich will Laufen und maximal noch Radfahren und Schwimmen. Zumba-Tänzer oder Step-Aerobic-Freak werde ich nie werden. Und die Koordinationsleiter ist einfach nicht der natürliche Lebensraum eines Läufers.

Edit (6.11.16):
Es hat keine 24 Stunden bis zum nächsten Flugversuch gedauert. Nachdem ich in den letzten 4 Monaten fast gar nicht gelaufen bin und nur Intervalle trainiert habe, wollte ich heute mal wieder wenigstens gemütliche 10km am Stück laufen. Auf den letzten 500m hab ich dann die Matschstelle auf dem Asphalt zielsicher gefunden.
Das gibt ein paar hübsche blaue Flecken. (Aber das Handgelenk ist heil geblieben…)

flugversuch

 

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