„Sportler“

Irgendwie muss ich immer grinsen, wenn ich mich selber als Sportler bezeichne. Als Kind und Jugendliche war ich sooooo unsportlich. Mittlerweile mache ich Sachen, die ich mich als Kind nie getraut hätte und auch nie verstanden habe, wie das funktionieren soll…

Wenn meine Sportlehrer (von der ersten Klasse angefangen: Hallo Frau Suchanek!) mich heute sehen könnten: Bei den Bundesjugendspielen nie auch nur eine Sigerurkunde bekommen und jetzt läuft sie Marathon und steht voll auf Zirkeltraining. Selbst Triathlon wird getestet und unbedingt muss auch noch ein Hindernislauf her. Eigentlich richtet sich das ganze Leben überwiegend ums Laufen und alles was man drumherum machen kann.

Wie man an mir eindeutig sieht: KEINER ist sportlich oder unsportlich geboren! Klar hat man Talente oder bessere Voraussetzungen für unterschiedliche Sportarten. jemand mit kurzen Beinen wird jetzt im Weitsprung vielleicht nicht ganz so weit kommen wie jemand mit langen Beinen. Auch ist es einfacher, wenn in der Familie Vorbilder da sind, die einem Sport vorleben können. Sport machen und sich damit auf allen Ebenen etwas Gutes tun und das auch zu erkennen und es nicht als Quälerei zu sehen – das muss man aber selber!
Und wenn man zum ersten Mal so richtig Endorphine ausgeschüttet hat, dann ist man einfach süchtig nach diesem Gefühl.

Und genau deshalb und nur deshalb laufe ich Marathon, es gibt einfach nichts geileres (mir fällt einfach kein besseres Wort ein) als das Gefühl ins Ziel zu laufen! Und egal wie der Lauf war, spätestens nach drei/vier Tagen kommt der Kopf hinterher und die Gefühle tanzen Tango: Du hast einen Marathon geschafft!

So nach einem Monat lässt das dann langsam nach und man beginnt sich danach zu sehnen und dann fängt der ganze Kreislauf wieder von vorne an. – Ja, ich bin infiziert, nicht unbedingt vom Lauffieber, aber vom Glücksgefühl danach und Laufen ist mein Mittel zum Zweck. Ich finde es fühlt sich an wie Fliegen und sich einfach fallen lassen.

Ich glaube das Gefühl ist es, was einen Sportler ausmacht.

 

Werbeanzeigen

Nicht aufgeben – oder wer ist Celine?

Medaille_klein

Puuh, ich hätte nicht gedacht, dass ein Marathon noch härter sein kann als der Iller-Marathon im letzten Jahr.

Zu erst: Ich war noch nie so stolz in Ziel gekommen zu sein. Nie war es härter ein Ziel zu erreichen und nie wollte ich Mama und Papa öfter anrufen, damit sie mich abholen!

Dann: 7,5 Wochen Training bei meinem Trainingsrückstand sind einfach nicht genug für einen Marathon. Aber da die Frühjahres-Marathons hier in der Umgebung jetzt langsam durch sind gab es keine wirkliche Alternative. Entweder der Trollinger oder dann erst im Herbst wieder. – Und da steht ja eigentlich noch der Jedermann-Triathlon an…
Trainingsplan_Marathon_kl2

Jetzt aber zum Marathon selber:
Da der Trainingsrückstand eben ziemlich groß war, habe ich mir kein Zeitziel gesetzt. Dementsprechend erstaunt war ich, dass die ersten 10 Kilometer so locker liefen. Der Schnitt war so um die 6:00min/km. Also wirklich super…

Doch dann wurde es nass, erst war es nicht schlimm, ein bisschen Regen eben. Aber ich bin Brillenträger und irgendwann habe ich dann nichts mehr gesehen. Ab Kilometer 14 hatte ich dann echt keinen Bock mehr, null, nada, niente… Dann hab ich auch noch einen Stöpsel von meinen Ohrhörern verloren und der andere wollte nicht mehr halten. Und mir war kalt. Ich hab so oft daran gedacht über Cortana (das Windows-Pendant zu Siri) meine Eltern anzurufen, damit sie mich abholen. Und da hatte ich noch nicht mal die Hälfte…

Irgendwann kam das Vater-Tochter-Team vorbei, das immer irgendwo in meiner Nähe war. Ich war gerade das erste Mal am Gehen und da ruft sie (Celine): „Bloß nicht mit dem Gehen anfangen“ – Was sie dann noch gerufen hat, habe ich nicht ganz verstanden, oder aber ich war schon völlig im Delirium: „Ich lese deinen Blog jedes Mal“ – Und das kann quasi nicht sein. Der Blog führt ein eher unscheinbares Dasein im Hintergrund all der großen Laufblogs…
Na ja in dem Moment hat mich das auf jeden Fall wieder etwas aufgeweckt und ich bin grinsend angelaufen und dachte bis Kilometer 30 gebe ich mir! An der nächsten Verpflegungsstelle kam dann wieder von der Seite von Celine: „Nur an der Versorgungsstelle darf man gehen!“ – Also bin ich danach wieder los getrabt und irgendwie hat mich Celine damit, auch wenn sie es nicht weiß – es sei denn sie liest tatsächlich diesen Blog – dazu gebracht weiter zu beißen.

Ich habe es zwar nicht geschafft nur an den Versorgungsstellen zu gehen (die waren immerhin alle 2-3 Kilometer) und ich bin zwischendurch sehr viel gegangen, aber ich habe es ins Ziel geschafft. Ich habe innerlich jeden Kilometer ab Kilometer 32 gefeiert: Nur noch 10, noch 9, 8, und dann nur noch 5. Und da habe ich dann sogar noch die Walker überholt!!!
Hier muss ich jetzt echt was loswerden: Liebe Trollinger-Marathon-Veranstalter könnt ihr bitte, bitte, bitte die Stöckchen-Träger dazu anhalten sich rechts zu halten, nach 37 Kilometern hat kein Läufer mehr Bock auch noch darauf achten zu müssen, dass er irgendwelche Stöcke zwischen die Beine oder ins Gesicht geknallt zu bekommen, weil sich jemand die Nase putzt!

Trollinger