Laufgier

Ich habe mich letztes Jahr als (stellvertretende) Beauftragte für Chancengleichheit aufstellen und wählen lassen. In dieser Funktion war ich heute in Stuttgart-Hohenheim zum halbjährlichen Erfahrungsaustausch an Stuttgarts zweithöchstem Arbeitsplatz nach dem Fernsehturm.

Aber warum erzähl‘ ich das und was hat das mit Laufen zu tun? – Nun ja, von der Terrasse des Besprechungsraums hat man einen gigantischen Blick. Einen gigantische Blick vor allem über mein Laufstrecke Bärenseen – Schloß Solitude…

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Das letzte Mal bin ich hier vor über zwei Monaten gelaufen. Es ist eine meiner bevorzugten Laufstrecken, da man hier überwiegend durch den Wald läuft und die Strecke zu Beginn recht lange bergauf geht, man aber den Vorteil hat, die letzten Kilometer nur noch talwärts zu laufen.

Lieblingsrunde

Was ich nicht wusste als ich im Januar hier lief, war dass das für lange Zeit das letzte Mal ist. Schon eine Woche später kam dann meine vorerst letzte Laufrunde. Vermutlich hätte ich mich etwas mehr angestrengt, wenn ich das gewusst hätte…
Na ja, auf jeden Fall hat mich heute richtig das Lauffieber gepackt, als ich diese Aussicht gesehen habe. Noch heftiger wurde es, als mir am Ende auf dem Weg zu S-Bahn eine Gruppe von Läufern entgegen kam, die offensichtlich auf dem Weg zu den Bärenseen war. Die letzten Tage war bombastisch gutes Laufwetter und es juckt mich in den Zehen, die Schuhe zu schnüren. Ich vermisse den „Laufwind“ um die Nase, die Freiheit beim Laufen und das Gefühl einfach loslassen zu können und drauflos zu rennen.
Nicht weiter verwunderlich also, dass ich eigentlich heute meinen Physio fragen wollte, ob ich nicht wenigstens langsam wieder eine kleine Runde laufen kann.

Ich würde hier jetzt gerne den Ton vom Zonk abspielen (kennt das hier überhaupt noch jemand?). Zu meiner Frage kam es nämlich gar nicht. Mein Physio fing zu Beginn der Behandlung damit an über das MRT zu sprechen:
Die Vorwölbungen und der Scheuermann würden viele Probleme der letzten Jahre erklären und ehrlicherweise sprächen sie nicht unbedingt dafür, dass mein Körper zum Laufen gemacht ist. Ich soll mir überlegen, ob nicht andere Sportarten sinnvoll sind.
Tja, nicht ganz so hart hatte ich das schon von meinem Hausarzt gehört, wobei der sich eher auf meine Marathon“karriere“ bezogen hat. Ich könnte durchaus wieder laufen, nur die Langstrecken sollte ich weglassen.
Ich bin nicht begeistert, gar nicht begeistert davon. Ich ohne Laufen, wie soll das denn funktionieren, selbst mein einziges Tattoo bezieht sich darauf!
Ohne Laufen kann ich nicht richtig runterfahren, ich verarbeite beim Laufen meinen Alltag. Ich bin mir auch sicher, meine Umwelt findet mich ausgeglichener wenn ich laufe…

Eine wirkliche Diskussion habe ich mit meinem Physio nicht geführt, aber er kennt mich ganz gut und weißt wie schwer es mir fällt loszulassen und Anspannungen abzuwerfen. Deshalb kamen, glaube ich, nicht viele Gegenargumente, als ich genau die Punkte angeführt habe, um zu verdeutlichen, warum ich es nicht einfach sein lassen kann. Im Endeffekt hat er mir nahe gelegt, dass ich noch viel stärker an meiner Technik arbeiten muss. Das Laufen wird wohl mehr zur Nebensache werden und sobald wie möglich werde ich wieder intensiv ins Functional Training einsteigen.
Das ich das Thema Triathlon dann heute gar nicht mehr angesprochen habe, kann man dann jetzt vielleicht nachvollziehen…

Den Tag muss ich jetzt auf jeden Fall erstmal verdauen.

Kopf hoch
ein liebes Geschenk von einer Freundin
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